Stundensatz berechnen als Freelancer — Schritt für Schritt
Freelancer-Stundensatz berechnen: Jahresumsatzbedarf durch abrechenbare Stunden teilen. Mit Beispiel, Auslastungsszenarien und kostenlosem Rechner.

So berechnest du deinen Freelancer-Stundensatz: Teile deinen benötigten Jahresumsatz durch die Stunden, die du im Jahr tatsächlich abrechnen kannst. Wenn du 72.000 € Umsatz benötigst und 1.100 Stunden abrechnest, sind das 65,45 € pro Stunde. Das ist eine rechnerische Untergrenze für diese Annahmen, kein allgemeiner Marktpreis. Urlaub, Akquise und Verwaltung gehören in die Stundenplanung; Betriebskosten, Vorsorge und deine individuellen Abgaben in den Umsatzbedarf.
Mindest-Stundensatz = benötigter Jahresumsatz ÷ abrechenbare Jahresstunden
Beispiel: 72.000 € ÷ 1.100 Stunden = 65,45 €/Stunde
Du willst direkt mit deinen Werten rechnen? Der kostenlose Stundensatz-Kalkulator berücksichtigt auch Urlaub, Krankheit und Auslastung. Er benötigt keine Anmeldung.
Schritt 1: Deinen Jahresumsatzbedarf festlegen
Addiere, was deine Selbstständigkeit in einem Jahr finanzieren soll. Die Tabelle zeigt frei gewählte Beispielwerte, keine Durchschnittskosten oder Empfehlung für deine persönliche Steuer- und Vorsorgeplanung:
| Position im Beispiel | Pro Jahr |
|---|---|
| Private Entnahmen für den Lebensunterhalt | 36.000 € |
| Betriebsausgaben, etwa Software, Büro und Ausstattung | 12.000 € |
| Geplante Mittel für Abgaben, Vorsorge und Rücklagen | 24.000 € |
| Benötigter Jahresumsatz | 72.000 € |
Trage hier deine eigenen Zahlen ein. Prüfe Abgaben und Vorsorge individuell; aus einem pauschalen Umsatzwert lässt sich weder dein Steuerbetrag noch dein späteres Nettoeinkommen ableiten. Plane außerdem Schwankungen ein: Ein Monat ohne Auftrag reduziert die fakturierbaren Stunden, während viele Kosten weiterlaufen.
Ein häufiger Fehler ist, den früheren Bruttostundenlohn aus einer Anstellung als Freelance-Preis zu übernehmen. Dort sagten die bezahlten Arbeitsstunden nichts darüber aus, wie viel Zeit du künftig mit Angeboten, Buchhaltung, Weiterbildung oder Urlaub verbringen wirst. Rechne daher zuerst mit deinen eigenen Jahreswerten, statt einen festen Aufschlagsfaktor auf dein altes Gehalt anzuwenden.
Schritt 2: Abrechenbare Stunden schätzen
Beginne mit deinen geplanten Arbeitstagen. Dieses Beispiel, keine Statistik über Freelancer, setzt 104 Wochenendtage, 10 Feiertage, 25 Urlaubstage, 10 Krankheitstage und 5 Weiterbildungstage an:
365 − 104 − 10 − 25 − 10 − 5 = 211 Arbeitstage
211 × 8 Stunden = 1.688 verfügbare Arbeitsstunden
1.688 × 65 % angenommene Abrechenbarkeit = 1.097 Stunden
Gerundet sind das 1.100 abrechenbare Stunden. Die 65 % sind eine Planungsannahme, kein verlässlicher Durchschnitt. Erfasse einige Wochen lang getrennt, wie viel Zeit du für Kundenaufträge, Akquise und Verwaltung brauchst. Passe den Wert an deine tatsächliche Auslastung an. Falls du erst startest und noch keine Daten hast, rechne mindestens zwei Szenarien durch.

Schritt 3: Den Mindest-Stundensatz berechnen
Beim angenommenen Umsatzbedarf von 72.000 € ändert allein die Zahl fakturierbarer Stunden das Ergebnis deutlich:
| Abrechenbare Stunden pro Jahr | Rechnung | Rechnerische Untergrenze |
|---|---|---|
| 900 | 72.000 € ÷ 900 | 80,00 €/h |
| 1.100 | 72.000 € ÷ 1.100 | 65,45 €/h |
| 1.300 | 72.000 € ÷ 1.300 | 55,38 €/h |
Die Rechnung beantwortet: Welchen Satz brauche ich unter meinen Annahmen mindestens? Ob Kund:innen ihn für deine Leistung zahlen, hängt auch von Erfahrung, Positionierung, Auftrag und Verhandlung ab. Ein rechnerischer Mindestwert ist weder ein garantierter Erlös noch ein automatisch passender Angebotspreis.
Der Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap nennt 103 € pro Stunde im DACH-Raum. Laut Anbieter basiert die Stundensatzverteilung auf Angaben von 1.310 Befragten. Die Zahl beschreibt diese Befragung; sie ist kein Tarif und ersetzt keine eigene Kalkulation. Ein Vergleich ist erst sinnvoll, wenn Fachgebiet, Erfahrung, Auftragstyp und Region zusammenpassen.
Stundenpreis, Tagessatz oder Projektpreis?
Der Stundensatz eignet sich, wenn der Umfang offen ist, etwa bei Beratung oder laufender Wartung. Vereinbare möglichst einen geschätzten Stundenrahmen und sprich über Mehrarbeit, bevor sie entsteht.
Ein Tagessatz ist ein Angebot für einen definierten Arbeitstag. Acht Stunden mal Stundensatz sind ein Rechenstart, aber deine tatsächliche Verfügbarkeit und der Leistungsumfang bestimmen den Preis. Ein pauschaler Rabatt ist dafür nicht erforderlich. Mehr dazu im Tagessatz-Rechner.
Ein Projektpreis gibt beiden Seiten vorab einen Betrag. Schätze dafür alle Phasen: Briefing, Recherche, Umsetzung, Abstimmung und Korrekturen. Multipliziere den geplanten Aufwand mit deinem internen Stundensatz und prüfe, welches Änderungsrisiko du übernehmen kannst. Der Projektpreis-Rechner hilft beim Durchspielen. Halte Lieferumfang und Korrekturrunden im Angebot fest.
Wie du deine Kalkulation im Alltag überprüfst
- Stunden erfassen: Unterscheide bezahlte Arbeit von Akquise und Verwaltung. So ersetzt du die angenommene Auslastung durch deinen eigenen Wert. Eine Zeiterfassung kann dafür helfen.
- Nachkalkulieren: Vergleiche bei abgeschlossenen Aufträgen Angebot, tatsächliche Stunden und Erlös. Der Leitfaden zur Projektabrechnung zeigt die nächsten Schritte.
- Regelmäßig aktualisieren: Neue Betriebsausgaben, andere Auslastung oder ein verändertes Einkommensziel ändern deine Untergrenze. Prüfe die Rechnung vor größeren Preisentscheidungen erneut.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Freelancer?
Addiere den benötigten Jahresumsatz aus privaten Entnahmen, Betriebsausgaben und deiner individuellen Planung für Abgaben, Vorsorge und Rücklagen. Teile diesen Betrag durch die voraussichtlich abrechenbaren, nicht durch alle Arbeitsstunden. Beispiel: 72.000 € ÷ 1.100 Stunden = 65,45 € pro Stunde.
Wie viele Stunden kann ich pro Jahr abrechnen?
Das hängt von Urlaub, Ausfällen, Auftragslage und unbezahlter Arbeit ab. 1.100 Stunden sind in diesem Artikel eine Rechenannahme aus 1.688 verfügbaren Stunden und 65 % Abrechenbarkeit. Rechne mit deinem eigenen Wert und prüfe Szenarien mit weniger Aufträgen.
Was ist der durchschnittliche Freelancer-Stundensatz 2026?
Der Freelancer-Kompass 2026 nennt 103 € pro Stunde für seine DACH-Befragung. Der Wert sagt nicht, welcher Satz deine Kosten deckt oder für dein Fachgebiet angemessen ist.
Ist der errechnete Stundensatz mein Nettoverdienst?
Nein. Der Satz ist ein Preis pro fakturierter Stunde. Aus dem Umsatz bezahlst du unter anderem Betriebsausgaben; deine persönlichen Abgaben und Entnahmen hängen von deiner Situation ab. Die Beispielrechnung ist keine individuelle Steuerkalkulation.
Wie mache ich aus meinem Stundensatz einen Projektpreis?
Schätze alle Arbeitsschritte einschließlich Abstimmung und Korrektur, multipliziere die Stunden mit deinem kalkulierten Satz und definiere Umfang und Änderungen im Angebot. So kalkulierst du einen Projektpreis.